Donnerstag, 22. Juli 2021, 20 Uhr

Eröffnungskonzert der Stadtwerke Kamp-Lintfort

Stadthalle Kamp-Lintfort


Felix Mendelssohn-Bartholdy:
Trio d-Moll für Violine, Violoncello und Klavier, op. 49


In Leipzig löste Mendelssohns erstes Klaviertrio, auf das die Fachwelt schon so lange gewartet hatte, bei seiner Uraufführung 1840 größte Begeisterung aus. Robert Schumann jubelte in der „Neuen Zeitschrift für Musik“: „Es ist das Meistertrio der Gegenwart, wie es ihrerzeit die von Beethoven in B und D, das von Franz Schubert in Es waren; eine gar schöne Komposition, die nach Jahren noch Enkel und Urenkel erfreuen wird.“ Für Schumann knüpfte Mendelssohns Kunst, „die jetzt beinahe in ihrer höchsten Blüte zu stehen scheint“, an die Klassiker an und war doch Gegenwartskunst im besten Sinne: „Er ist der Mozart des neunzehnten Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.“


Johannes Brahms:
Quartett g-Moll für Violine, Viola, Violoncello und Klavier, op. 25


Als Johannes Brahms 1861 seinem ungarischen Freund Joseph Joachim die Partitur seines g-Moll-Klavierquartetts mit dem Rondo alla Zingarese übersandte, gestand der Magyar dem Hanseaten neidlos zu, er habe ihm auf seinem eigenen Territorium „eine ganz tüchtige Schlappe versetzt“. Brahms wusste um die Popularität ungarisch inspirierter „Zigeunermusik“ in der Donaumetropole und wählte darum eben jenes Klavierquartett aus, um mit ihm am 16.11.1862 als Komponist und Pianist in Wien zu debütieren.


Freitag, 23. Juli 2021, 20 Uhr

Konzert am Freitag

Stadthalle Kamp-Lintfort


Johannes Brahms:
Sonate d-Moll für Klavier und Violine, op. 108


Johannes Brahms erwies der ungarischen Volksmusik auch in seiner 3. Violinsonate seine Reverenz. Innerhalb der Stilentwicklung von Brahms gilt die d-Moll-Sonate als Brücke zwischen der mittleren und der späten Periode. 1888 vollendet, wurde sie bereits 1886 am Thuner See in der Schweiz begonnen – während jenes „Kammermusiksommers“, in dem Brahms auch die zweite Violin-, zweite Cellosonate und das dritte Klaviertrio komponierte.


Antonín Dvořák:
Quintett A-Dur für zwei Violinen, Viola, Violoncello und Klavier, op. 81


Die Entstehung von Dvořáks zweitem Klavierquintett, einem der meistgespielten Werke des Komponisten, verdanken wir einem Zufall. Als Dvořák 1887 beim Kramen auf die Partitur seines frühen Klavierquintetts, op. 5, stieß, war er mit dessen Qualität so unzufrieden, dass er ein neues Werk in gleicher Besetzung, Tonart und Anlage schrieb. Einer überspitzten Form der Anekdote zufolge konnte er das frühere Werk gar nicht erst finden und entschloss sich deshalb kurzerhand zur Neukomposition. Im August 1887 begann er das neue Quintett, im Januar 1888 wurde es in Prag uraufgeführt. Die englische Erstaufführung in London vier Monate später verhalf dem Quintett sofort zum internationalen Durchbruch.


Samstag, 24. Juli 2021, 17 Uhr und 20 Uhr

Soirée

Pferdestall im Schirrhof Kamp-Lintfort


Felix Mendelssohn-Bartholdy:
Quintett Nr. 2 B-Dur für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello, op. 87


Das herrliche zweite Streichquintett von Felix Mendelssohn verdanken wir seiner Freundschaft mit dem Leipziger Konzertmeister Ferdinand David und einem idyllischen Sommerurlaub, den der Komponist 1845 an den Hängen des Taunus in Bad Soden verlebte, wo er auch 1844 sein Violinkonzert vollendete. Zwischen diesem berühmten Konzert und dem weit seltenen gespielten Quintett besteht insofern eine enge Beziehung, als beide Werke für Ferdinand David komponiert wurden. Nicht nur die Themen der beiden ersten Sätze sind einander ähnlich; die erste Geigenstimme des Quintetts scheint insgesamt in ihrem virtuosen Gestus konzerthaft behandelt. Dies war der ausdrückliche Wunsch Davids, der bei seinem Dirigenten im Januar 1844 ein Kammermusikstück in stilo moltissimo concertissimo angefordert hatte.


Erich Wolfgang Korngold:
Sextett D-Dur für zwei Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli, op. 10


Der 1897 im mährischen Brünn geborene Erich Wolfgang Korngold wurde als musikalische Frühbegabung mit dem jungen Mendelssohn verglichen. Seine mit acht Jahren komponierten Märchenkantaten beeindruckten namentlich Gustav Mahler. Im Alter von 17 Jahren komponierte er das Streichsextett, nachdem er gerade seine zweite Oper Violante vollendet hatte. Obwohl die Streichsextette von Brahms und Schönberg eindeutig Pate standen, ist auch zu spüren, dass es im Vorsommer des ersten Weltkrieges entstand. Der Rezensent der Uraufführung, Josef Reitler, pries das Talent des Nachwuschsstars: „Schon vom ersten Takt an ist Erich Wolfgang Korngolds Handschrift unverkennbar. Abgesehen von Richard Strauss kann keiner der Komponisten unserer Zeit so persönlich und individuell schreiben wie er.“ Gewidmet hat Korngold das Sextett Dr. Carl Ritter von Wiener – jenem Arzt, der ihn mit einem Attest davor bewahrte, als Soldat in den Krieg ziehen zu müssen.

Sonntag, 25. Juli 2021, 11 Uhr und 17 Uhr

Abschlusskonzert

Alte Sortierhalle Schloss Bloemersheim


Antonín Dvořák:
Trio g-Moll für Violine und Violoncello und Klavier, op. 26


Von Antonin Dvoraks vier Klaviertrios gehört das g-Moll-Trio sicherlich nicht zum Standard-Repertoire. Es entstand kurz nach dem frühen Tod seiner ältesten Tochter – in einer Periode stilistischen Wandels: Dadurch, dass Dvoraks Konsolidierung unter dem Einfluss von Brahms noch nicht abgeschlossen und seine Neigungen zur Liszt-Wagnerschen Seite noch nicht gänzlich vergessen waren, ist es geprägt von einem ausufernd- romantischen Duktus. Dvoraks Wille zur vereinheitlichen der Thematik, gibt dem Stück dennoch einen wundervollen Zusammenhalt. So ist der letzte Satz nicht nur überdeutlich eine Reminiszenz an das Finale des Klavierquartetts von Schumann, sondern knüpft auch an den ersten Satz an.


Robert Schumann:
Quartett Es-Dur für Klavier, Violine, Viola und Violoncello, op. 47


Nach einem kleinen Ausflug in die Welt des Streichquartetts schwor Robert Schumann, künftig nur noch Kammermusik mit Klavier zu komponieren, damit seine geliebte Frau Clara immer dabei sein konnte. Diesem Schwur verdanken wir auch das wunderbare Klavierquartett op. 47. Er schrieb es in seinem geradezu rauschhaft-kreativen „Kammermusikjahr“ 1842. Am 5. April 1843 wurde das Quartett – neben Clara am Klavier der dänischen Komponist Niels Wilhelm Gade an der Bratsche – im privaten Rahmen uraufgeführt. "Wir haben gestern das Quartett zum ersten Mal gespielt und es nimmt sich recht effektvoll aus", schrieb Schumann mit feinem Understatement. Heute gehört das großartige Klavierquartett zu den beliebtesten Werken diese Gattung.